Montag, 16. April 2012

Diäten und der tägliche Kampf

Salve!

Ich weiß nicht genau, was mich gerade dazu treibt, aber heute will ich mal ganz bewusst über "meine" Diät schreiben. Eigentlich ist es schon spät und ich müsste schlafen, aber... ich hab das Gefühl, ich müsste mal was darüber schreiben, meine Gedanken zum Ausdruck bringen, weil das im Moment 90% meiner Gedanken ausfüllt. 

Vielleicht beginne ich einfach mal damit, meine Vergangenheit zu beschreiben.
Ich war zum letzten Mal "schlank", als ich 5 Jahre alt war. Zu der Zeit ging zu Hause sehr viel schief, oder um es besser auszudrücken- zu der Zeit begann ich wahr zu nehmen, dass bei uns nichts so ist, wie es sein sollte. 
Wenn meine Eltern stritten, stopfte ich mir Unmengen an Süßigkeiten rein, um mich besser zu fühlen. Und da begann eigentlich auch alles. 
Ich weiß noch genau, wie ich mit 7 Jahren auf der Waage meiner Tante stand und 40 Kilo wog und alle nur den Kopf schüttelten und sagten, ich solle abnehmen. Was ich aber nicht tat und nicht konnte. Ich war nur ein Kind und verstand weder, was es bedeutete, übergewichtig zu sein, noch, was für Folgen das haben würde. Zu Hause änderte sich nichts und so änderte ich auch meine Gewohnheiten nicht. 
Mit 7 wurde ich auch eingeschult und begriff sehr schnell, dass ich anders war, als die anderen und nicht "dazu" gehörte. Meine Klassenkameraden lachten mich aus, mobbten mich, mieden mich. Ich war traurig, aber ich konnte einfach nicht verstehen, wieso das was mit meinem Gewicht zu tun hatte. 
Ich war immer das stille Mäuschen, das sich nie traute, etwas zu sagen. Ich schluckte alles runter und umso verletzter ich war, desto mehr stopfte ich in mich rein. Meine Eltern hielten mich nicht auf. 
Als ich dann nach der Grundschule auf die Realschule kam, war ich schon ziemlich fett. Wie viel ich da wog, weiß ich aber nicht mehr. Den Fotos nach zu urteilen, mussten es da schon mehr als 80 Kilo gewesen sein. Und das Schlimme - das schlimmste, was meine Mutter mir als Frisör zu der Zeit antun konnte- sie schnitt mir die Haare kurz. Dick, mit kurzen Haaren und wenig Geld, war ich auch dort eine Außenseiterin. Ich wurde wieder nicht beachtet, gemobbt und öffentlich bloß gestellt. Nachdem ich dort unterfordert gewesen war und gegen alles und jeden rebellierte, flog ich von der Schule und landete auf einer Hauptschule. Seit dem ersten Tag auf dieser Schule, stotterte ich. Das hat sich bis heute nicht wieder gelegt. 
Ich wurde immer fetter und mit...16 Jahren war ich schon bei den 100 Kilo angelangt. Ich erinnere mich noch gut, wie ich mit 17 beinahe gestorben wäre, wegen einer verschleppten Lungenentzündung in Kombination mit was weiß ich- ich dort gewogen wurde und mich freuen konnte, 4 Kilo abgenommen zu haben. Da wog ich 104 Kilo. 
Ich lebte ziemlich sorglos, was das Essen anbelangte. Meine Mutter kochte immer gut, es gab immer Chips, Schokolade und Cola zu Hause. Nach dem Kiffen hab ich mir regelmäßig Fresskicks geschoben und sehr oft Alkohol getrunken. Ich wollte immer breit sein, meinen Depressionen entkommen und sah nicht, dass ich mich nur immer weiter da rein ritt. 
Ich glaube, mit 21 wog ich so um sie 120 Kilo. Und hab von da an, ungefähr 2- 3 Kilo pro Jahr zugelegt.

Selbstverständlich hatte ich zwischendurch immer halbherzige Diäten probiert. Bestimmt 100 verschiedene. Apfelessig- Diät, Fasten, Sauerkrautsaft- Diät, Kohlsuppen- Diät, Früchte-Tage, Grüner Tee- Diät, was weiß ich, wie die alle hießen. Ich kann mich nicht mehr erinnern. Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich zu der Zeit auch viele Medikamente einnahm. 4 verschiedene für die Lunge, und 3 verschiedene für die Psyche (gegen Depressionen und Panikattacken, die ich nach einer stationären Therapie nehmen musste). Also 7 Pillen am Tag. Die haben meinen Körper auch zusätzlich aus der Bahn geworfen, z.B. hatte ich in den Jahren, wo ich starke Psychopharmaka nahm, meine Periode nicht und hab so stark gezittert, dass ich kaum einen Stift halten konnte, um nur zwei Sachen zu nennen.

Kommen wir zu meinem heutigen Ich. Ausgezogen aus dem Elternhaus, selbstständig und alleine, geht es mir sehr viel besser. Ich wog Anfang Januar 2012 noch 136 Kilo. Und ich musste mir ernsthaft die Frage stellen, wie es mit mir weitergehen sollte. Wie würde mein Leben in zehn Jahren sein, wenn ich weiter zunahm? Was für Konsequenzen würde das haben? Früher war mir alles egal, ich wollte mich ohnehin irgendwann umbringen, aber jetzt... Jetzt lebe ich gerne. Und ich wusste, ich muss jetzt endlich was ändern. 

Jetzt, Mitte April, hab ich also schon mal 15 Kilo runter. Wie? Wenig essen und standhaft bleiben. Leider schaffe ich das nicht immer. Ich lese viel über Essstörungen, ganz besonders Magersucht. Ich weiß nicht so recht, wieso es mich so fasziniert. Ja, ich finde dünne Menschen hübsch und würde mir so sehr wünschen, solchen dünnen Beine zu haben. Größe S oder XS wäre mein Traum. 
Trotzdem will ich auf keinen Fall eine solche Krankheit entwickeln. Ich will gesund und langsam abnehmen. Und irgendwann auch wieder gesunden, regelmäßigen Sport treiben. Schließlich nehme ich ab, um irgendwann ein gesundes Leben leben zu können. Aber ich weiß auch, dass so labile Personen mit Persönlichkeitsstörungen und ohne Kontrolle von außen, Gefahr laufen, sich schnell in so etwas zu verrennen, zumal das Interesse an Magersucht und Bulimie bei mir bereits übertriebene Ausmaße angenommen hat. Ich habe Angst. Ich bin schon angekommen, bei Kalorienzählen und beim gelegentlichen Mahlzeiten streichen.  Aber was bleibt mir auch anderes übrig? Wenn ich abnehmen will, was ich ja muss- dann muss ich schließlich Kalorien zählen. Es kommt keiner vorbei, der mir die perfekten Abnehmportionen auf den Tisch stellt. (Es sei denn ich würde in die Essgestörten Klinik gehen, in die meine Psychologin mich stecken will, aufgrund meiner vermeintlichen Fresssucht: da stützt sie sich auf meine Aussagen zum Frustfressen- aber ich will nicht weg von zu Hause...) "Wieso machst du dann keinen Sport?" krieg ich so oft zu hören, zumal ich ja bei Fitness First angemeldet bin, aber liebe Leute- um überhaupt sportlich aktiv zu werden, muss ich erstmal ein paar Pfunde los werden, versteht ihr das denn nicht? So, wie ich bin, kann ich überhaupt keinen Sport machen. Ich hab durch das Gewicht erhebliche Probleme mit Rücken und Gelenke, auch wenn ich das meistens runterspiele. *seufz* Ich werde wieder Sport machen, aber erst will ich noch 10 Kilo runterhaben. Also in einigen Monaten- oder eher, wenn ich mal etwas mehr Disziplin an den Tag lege.

Wie diese Diät mein Leben beeinflusst, ist eigenartig und hätte ich so auch nicht erwartet. Ich kann beim essen einfach keine Freude mehr empfinden. Auch, wenn es gut schmeckt. Ich schaue auf den Teller und weiß einfach, wie viele Kalorieren ich mir da gerade ungefähr reinhaue. Und danach fühle ich mich schuldig und schlecht. 
Wenn ich einkaufen gehe, brauch ich manchmal über eine Stunde, weil ich die Produkte, deren Fett- und Kalorienangaben vergleichen muss. 
Esse ich bei meinen Eltern, bekommen sie non- stop zu hören, wie viele Kalorien ein Glas Cola hat oder eine Portion Spaghetti. Oder ein hartgekochtes Ei. Oder ein Esslöffel Vollmich und wie viel dagegen ein Esslöffel Magermilch hat. Oder, oder, oder. Sie sind alle schon sehr genervt und angepisst, weil ich eigentlich von nichts anderem mehr rede. Es gibt momentan auch nichts anderes mehr in meinem Kopf. Kaum noch. Egal, an welchem Schaufenster ich vorbei gehe, ich schaue unauffällig rein und überprüfe meine Haltung oder wie sehr mein dicker Bauch rausschaut. 
Wenn ich was süßes esse, (man hat mir ein Stückchen Schokolade am Tag empfohlen, um keine Heißhungerattacke zu bekommen), dann hab ich danach ein endlos schlechtes Gewissen und hab förmlich das Gefühl, spüren zu können, wie ich gerade wieder zunehme. 
Vor der Waage hab ich eine panische Angst entwickelt. Auch, wenn es keine große Sache ist, zwischen drin mal wieder etwas zuznehmen- ich hab einfach Angst, mich so anzustrengen und dann zu sehen, dass ich trotzdem nicht weiterkomme. Ich hab Angst vor Demotivation. 
Jeden Morgen, wenn ich aufwache und weiß, dass ich am Tag zuvor zu viel gegessen habe, schaue ich in den Spiegel und frage mich, ob mein Doppelkinn wieder fetter geworden ist.
Und eigentlich habe ich immer das Gefühl, zu viel gegessen zu haben, selbst wenn es, verglichen mit meinen damaligen Essgewohnheiten, gar nicht viel war. 
Umso mehr ich versuche, mich vom Essen abzuhalten, desto besessener werde ich von dem ganzen Thema, schaue mir stundenlang Rezepte in Zeitschriften und Büchern an, gucke Youtube Videos übers Kochen, spiele Onlinespiele, die irgendwas mit Süßigkeiten oder Essen zu tun haben (Führe deine eigene Bäckerei! xD)
Ich muss ständig über Essen, Gewicht und Diäten reden. Und nerve alle meine Freunde schon zu Tode damit. Früher oder später vergraule ich noch jeden damit. Aber irgendwem muss ich mich doch mitteilen. Besonders meinen besten Freunden. Ich erwarte Unterstützung und Motivation. Oder verlange ich da vielleicht schon zu viel? Keine Ahnung. 

Insgesamt will ich zwei Jahre lang abnehmen. Das ist mein Plan. 30 Kilo pro Jahr hab ich mir gesagt. Das ist doch machbar. Mein Wunschgewicht wären 70 Kilo. Aber wenn ich es schaffe, da anzukommen, wird mir das wahrscheinlich längst nicht mehr genug sein. 
Und davor hab ich halt Angst. Ich will nicht so... so werden, wie die Mädchen in den Büchern, die ich lese und trotzdem bewundere ich sie so sehr. Ich frage mich oft, ob ich gerade das richtige tue oder ob ich mich in nur noch eine andere Scheisse hineinreite. Keine Ahnung. Wir werden sehen. 

Auch während ich das jetzt hier schreibe, hab ich krassen Hunger, aber ich durfte nach dem Mittagessen nichts mehr essen. Ich hatte zu viel gegessen. Da liegt ein großes Problem. Nach der Hälfte bin ich eigentlich schon satt, aber ich esse trotzdem alles auf. Wenn man aus einer ärmlichen Familie kommt, wo man immer gesagt bekommt "Iss deinen Teller leer, wegschmeißen wäre Verschwendung..." kann man sich das nur schwer abgewöhnen. Ich muss mir dringend angewöhnen, kleinere Portionen zu kochen und zu essen. Sehr viel kleinere.
Und jetzt geh ich ins Bett. Gute Nacht.

Danie

6 Kommentare:

  1. Vielen Dank. Es bedeutet mir viel, das von dir zuhören. Nicht nur das du mich schön findest. Es tut mir unglaublich gut, so etwas zu hören.
    Übrigens...ich wog im dritten Schuljahr 45kg..und ich habe immer nur bauchfrei getragen. wenn ich es schaffe, schaffst du es schon lange! ♥

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    1. Gerne doch.
      Ich bin zwar immer verpeilt und schludrig, regelmäßig bei anderen in die Blogs reinzugucken, aber auf einmal triffts mich wie ein Schlag und dann komm ich und wühl alles durch : D
      Und das mit dem Kompliment war völlig ehrlich gemeint.

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  2. hey Danie <3

    Dein langer Eintrag warso echt und ah, mir fehlen gerade die worte (sry mein Gehirn ist eh futsch,weil ich bei psychotante war und grad selbt einen post schrieb).

    bei mir ist das gerade schwächer geworden ,also der Drang ueber jedes verlorene gramm zu reden oder so.
    ich freue mich sogar morgens etwas zu essen,aber ich setze auf gesunde produkte,nur abends werde ich von meinen eltern gemästet,wodurch wir oft streit haben.

    man,mir tut das so leid,dass deine eltern zusahen,wie fetter und fetter du wurdest! dabei ging es dir immer schlecht und sie sahen zu.wie gemein und unfürsorglich.

    surfst Du auch oft durch diverse "ana"-Hps?
    vllT magst Du mal meine sehen:
    yumehito.jimdo.com

    ich wuensche Dir,dass Deine panik sich reguliert wenn Du auf die Waage steigst und das Du Deinen Zielen näher kommst!

    auf baöd,
    yume:3

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    1. Danke dir, Yume.
      Deine Kommis sind schon unverzichtbar für mich geworden, machst du mir doch immer Mut! :D
      *drück*

      Du hast recht, meine ELtern haben vieles falsch gemacht. Mein Vater war n Arsch und meine Mutter hat einfach alles erlaubt, hauptsache, die Kinder waren "glücklich". Was das für Folgen haben würde, daran hat sie nie gedacht. Ich weiß jedenfalls, dass ich diesen Fehler nicht bei meinen Kindern machen würde. Ich könnte nicht zulassen, dass sie dasselbe erleiden müssten, wie ich es musste.

      Ja, ich surfe immer auf solchen Seiten. Auch, wenn ich nicht zu dem Ana-Club gehöre, wie ich so schön sage xD Aber irgendwie spornt mich das alles immer irgendwie an. Ich schau mal rein.

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  3. ach...ich weiß garnich was ich schreiben soll :(
    du bist jetzt schon so weit gekommen mit deiner diät und du wirst es auch schaffen sie bis zum ende durchzuziehen.
    dass du dannach vielelicht in eine andere essstörung fallen wirst wie zB magersucht glaube ich nicht. wenn du dein ziel erreicht hast, wirst du viel zu glücklich sein um sowas dummes anzustellen, denn du weißt, dass es dir nicht gut tun wird.
    und dass du dann auch bald richtig sport machen kannst du noch schnller zu deinem traumgewicht kommst ist doch super. viel glück weiterhin :)
    ganz liebe grüße ♥

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    1. Dankeschön, Minnie, für die aufmunternden Worte <3
      Du bist echt so lieb zu mir! ♥♥

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